Mein kleiner Japangarten

Hallo! Ich bin Rebekka und gelernte Zierpflanzen Gärtnerin. Wenn ich erzähle, dass ich an einem Japangarten arbeite, denken die meisten sofort an ein rotes Eingangstor, Wasser, Kies oder ein Teehaus. Nichts von dem wird man in diesem Gartenzimmer je finden, denn in einem japanischem Garten geht es um weit aus mehr als ein Abklappern von augenscheinlich typisch asiatischen Merkmalen.

Der Unterschied zwischen östlicher und westlicher Gestaltung

Die Gärten von denen ich träume, sind Naturgärten und in japanischen Gärten geht es um die Perfektion der Natur. Achtung! Das ist nicht unsere westliche Auffassung von Perfektion, die zu einer Kontrolle über die Natur führt, sondern die Natur ist dabei das Perfekte, nicht das was wir daraus versuchen zu machen. Während ein wirklich guter japanischer Garten die Natur der Pflanze in Perfektion unterstreicht, versucht ein wirklich guter westlicher Garten die Perfektion über die genaue Kontrolle der Natur zu erreichen. Beide Gärten sind auf ihre Weise wunderschön, aber der Ansatz ist ein gänzlich anderer.

Die Ausrichtung

Unser Garten ist 10.000m² groß. Viel Fläche um den Paradiesgarten mit Gartenräumen und wunderbarem Gedankengut aus aller Welt zu füllen! Mein japanischer Garten befindet sich deshalb im Osten und per Hecke nach Osten geöffnet, so dass die Morgensonne in den Raum einfallen kann. Der Osten steht für den Frühling und den Sonnenaufgang und wird der Feng Shui Lehre als Bereich verstanden, der Energie für Wachstum, Regeneration und Fortschritt bereitstellt. Das Element des Raumes ist Erde, da er sich im Nordosten befindet. Typische Merkmale für dieses Element sind zum Beispiel Bäume und Holz. Zudem ist es der ruhigste Ort des gesamten Geländes. Keine anderen Häuser, keine Straße – der perfekte Platz für einen Ruheraum. Wenn du dich gerade in diesem Gartenzimmer befindest, sieh dich um und nimm diese Stille wahr. Setze dich gerne auf das Holzdeck um den Artikel zu lesen.

Die Lehre des Raumes

Nach dem Bagua (ein Werkzeug des Feng Shui) befinden wir uns mit diesem Gartenzimmer im Raum des Wissens „Ken“ genannt. Er steht für Selbsterkenntnis, Lernen, Klarheit, Meditation, innere Ruhe, persönliche Entwicklung und kluge Entscheidungen. Die Hauptfarben dieses Zimmers sind Grün, Weiß und Gelb. Grün unterstützt kreative Prozesse, neue Gedanken und stärkt die innere Balance. Weiß steht für Klarheit und Reinheit. Gelb fördert die Konzentration und gibt Vertrauen und Beständigkeit.

Die Form des Raumes

Wenn du gerade vor Ort bist, ist dir sicher nicht die geschwungene Form der Hecke entgangen. Sie ist die angelehnt an ein Yin und Yang Zeichen. Die beiden Punkte werden unterstrichen durch die einzigen beiden Bäume. Der Punkt des Yin ist ein Goldregen, der Punkt des Yang ist eine Zierkirsche. Yin steht für dunkel, ruhig, kühl, weich, passiv und Yang für hell, aktiv, warm, fest und dynamisch. Diese Gegensätze sind nicht moralisch bewertet! Das bedeutet das keine Seite besser oder schlechter ist, als die andere.

Die Pflanzen und ihr Rhythmus

In unseren westlichen Gärten ist oft das Ziel, dass möglichst viel gleichzeitig und ganzjährig Blüht. In diesem Gartenzimmer ist aber das Grün und die Zurückhaltung von zentraler Bedeutung. Das Entstehen und Vergehen darf gesehen werden. Hier geht es also um Timing.

Zuerst erwacht im Spätwinter die umschließende Kornellkirschenhecke mit einem gelben Schleier. Im März/April zeigt sich die Zierkirsche in einer Wolke aus zartem Rosa und feiert das Erwachen des Frühlings im „Raum des Frühlings“. Wenn man sich an ihren Stamm lehnt, blickt man nach Osten in ein grünes Tal aus Liguster und Kornellkirschen und dem noch geschlossenen Goldregen.

Doch kaum verblüht die Zierkirsche und wirft ihre Blütenblätter wie Schnee auf das erhöhte Holzdeck, reicht sie den Stab weiter: Im Mai zündet der Goldregen im Osten sein gelbes Leuchtfeuer. Zur gleichen Zeit beginnt der geschlitzblättrige Holunder mit seinen weißen Doldenblüten. Für den Rest des Jahres wird er durch seine hellgrünen und zierlichen Bläter für einen japanischen Ahorn gehalten.

Nach den Bäumen beginnt im Juni/Juli die Lingusterhecke gemeinsam mit dem Blumen Hartriegel in weiß zu blühen. Auch die Berg-Litschi mit ihren Pagoden-Etagen öffnet langsam ihre cremweißen Hochblätter. Sie hat in diesem Raum eine ganz besondere Bedeutung. Denn die Berge symbolisieren im Feng Shui Ruhe und Schutz, genau jene Qualitäten die im Raum des Wissens besonders gern gesehen sind. Zudem sin die Berge Teil des stillen Yin.

Im Hintergrund verströmt ein weißer Bauernjasmin seinen betörenden Duft und bricht, flankiert vom farnartigen Laub des Holunders, die Strenge der dunkelgrünen Nachbarhecke im Norden auf. Das Auge wandert über gelbe Minitische. Die Bonsais darauf sind ein Kontrast im Maßstab zu der großen Kirsche.

Eine kleine Blutpflaumenhecke, direkt hinter dem Holzdeck färbt sich im Herbst in ein tiefes Purpur. Der Cornus kousa und die Berg-Litschi antworten darauf mit einem Scharlachrot und tragen ihre bizarren Früchte.

Der Prozess

Dieser Gartenraum ist noch sehr jung, weshalb es noch kein richtiges Übersichtsfoto gibt, dass das Gefühl vermittelt, dass sich hier entwickeln wird. Zumindest stand heute den 25.10.2026. Vielleicht schaffe ich es, über den Winter die gelben Tische zu bauen und nächstes Jahr dann vielleicht ein schönes Holzdeck. Die Pflanzen brauchen noch Jahre um erwachsen zu werden, aber der Grundstein ist gesetzt. Es wird sicher noch die ein oder andere Pflanze ihren Weg in dieses Zimmer finden. Rhododendron und Azaleen zum Beispiel, aber wir reden hier von einem Zeitraum von 10 Jahren. Denn hier geht es nicht darum, alles sofort zu haben, sondern um Entschleunigung. Darum genieße ich jeden einzelnen Schritt davon und ich hoffe du auch, denn ich werde weiter berichten. Wenn dir der Entsehungsprozess gefällt, folge gerne meinem Blog.

Ich wünsche dir einen wunderbaren Tag und vielleicht läuft man sich ja im Paradiesgarten über den Weg.

Zu den Führungen: https://www.paradiesgarten.eu/fuehrungen/

Zu den Seminaren: https://www.paradiesgarten.eu/paradiesgarten-maag/seminare/

Zu den Übernachtungsmöglichkeiten: https://www.paradiesgarten.eu/uebernachtungs-empfehlungen/

Zur Gartenberatung: https://www.paradiesgarten.eu/gartenkonzepte/

Mit herzlichen Grüßen
Rebekka Maag

About Rebekka Maag

Hallo! Ich bin Autorin und Künstlerin. Hier im Blog schreibe ich für Dich über meine lieblings Bücher, Rezepte, DIY-Ideen und Gartentipps. Mehr über mich erfährst Du auf der Team Seite.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert