National Geographic – Der Nutzgarten für jeden Balkon

 

Ein Stück Land nur für sich.

Das wünschte sich Sibylle Maag schon als Kind und fütterte daheim in Füssen emsig ihre Spardose. Damit wollte sie damals Quadratmeter um Quadratmeter hinzukaufen. Heute, vierzig Jahre später, hat sie im Allgäuer Voralpenland ihre ganz eigene Vision vom privaten Grund verwirklicht. Einen kompletten Garten, der auf einen Quadratmeter passt. Der „KUBI“ ist ein Hochbeet für Balkon oder Terrasse, mitsamt eigenem Kompostiersystem, und es kommt dreidimensional daher: Salat und Erdbeeren wachsen aus den Seitenwänden. An die „Hängenden Gärten der Semiramis“ lässt der „KUBI“ denken – ein Weltwunder im Miniaturformat.

Bild: Maag Design

Sibylle Maag Sibylle Maag, 47, und ihr von der Unesco ausgezeichneter „KUBI“. Die Inhaberin der Firma Maag Design vermittelt nachhaltige Lebensweisen
an künftige Generationen. Ihre Tochter Rebekka, 21, hat bereits die Leitung zweier Betriebsteile übernommen.

Ihren Kindheitstraum erfüllte sich Maag auf Umwegen. Ehe sie als Designerin tätig wurde, lernte sie Bürokauffrau. Aber schon lange trieb sie die Frage um, wie man auch Menschen mit kleiner Terrasse oder Balkon einen Garten ermöglichen kann. Einen Wärmespeicher und Dünger sollte er haben und mehr Fläche, als ein Balkon eigentlich hergibt. Ein nachhaltiger, sich weitgehend selbsterhaltender Kreislauf sollte es werden, möglichst ohne je wieder Erde tauschen zu müssen. Und mit Blick auf den Urlaub: weniger gießen, keine Schläuche. Denn «zwei Dinge kann man nicht endlos vermehren», sagt Maag, «Zeit und Land».

Neugierig auf Pflanzen war die Autodidaktin schon als Fünfjährige, ihre ersten Usambaraveilchen zog sie unter dem Bett. «Wenn ein Hauswurz seitlich wächst, warum nicht auch ein Salat?», fragte sie dann vor sechs Jahren und hat «angefangen zu forschen». Erklärtes Ziel war es, einen Garten zu konzipieren, den auch Neulinge im Gärtnern bequem bewirtschaften können. Seitdem testete sie die Idee. Zunächst experimentierte sie mit einem Quader aus Gabionengitter, einem Metalldrahtkubus, innen mit Vlies bespannt und mit Komposterde befüllt. Schlitze im Vlies ließen das Grün seitwärts sprießen. Funktioniert habe die Idee von Anfang an, sagt Maag, gefeilt wurde an Optik, Material und Stoffkreisläufen.

«Zwei Dinge kann der Mensch nicht endlos vermehren: Zeit und Land. Der Kubi gibt dem Städter von beidem etwas.»

Das kleine Gartenglück gibt es ab 269 Euro in zwei Varianten, Mini und Maxi, jeweils aus Edelstahl oder Aluminium. Der Maxi-„KUBI“ hat 45 seitliche Pflanzlöcher in vier Seitenwänden, die Balkonvariante Mini 24 Pflanzlöcher in drei Seiten. Auf Rollen lässt er sich an die Wand schieben. Ein Wasserspeicher nährt das Grün zwei bis drei Wochen. Er funktioniert zudem wie ein Burggraben und hält Schnecken fern. Der Kompostschacht wird über eine Klappe mit Küchenabfällen gefüttert. Mit der Zeit entsteht hier Erde, die die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt. Für den Anfang rät Maag zur Verwendung von Torfersatzerde. Wer Torf nehme, müsse mehr gießen. Und «das will doch niemand», sagt die Frau mit dem grünen Herzen. So setzt sie sich nebenbei für den Schutz der Moore ein.

Heute ist die Pflanzenliebhaberin in der eigenen Fimengruppe zuständig für die Unternehmensentwicklung und Seminare. Auf ihrem Demonstrationsgelände „Paradiesgarten – Gärten der Zukunft“ in Lechbruck am See vermitteln Maag und ihr Team in Führungen und Vorträgen Wege zu einem schonenden Umgang mit der Natur – «maßgeschneidert für jeden, der uns fragt».

Eingebettet in das von der UNESCO ausgezeichnete Bildungsprojekt Paradiesgarten wurde der „KUBI“ als „Leuchtturm“ der Nachhaltigkeit gewürdigt. Firmen von Skandinavien bis in die USA wollen den mobilen Garten vermarkten. Vier-Sterne-Hotels haben den „KUBI“ für Eventküchen entdeckt, in der Kräuter geerntet werden. Auch das soll Maags Wirklichkeit gewordener Kindertraum sein: ein «Symbol für frische Küche»

 

Autor: Lara Höfchen  —  Bilder: Illustration: Jörg Block; Foto: Maag Design

Quelle National Geographic

 

>> mehr zum KUBI – Beethochdrei

 

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